Die IAA Mobility in München ist, wo Zukunft passiert

Vom 9. bis 14. September 2025 findet in München die internationale Mobilitätsmesse «IAA Mobility» statt. Der Name ist Programm. Was einst als Internationale Automobil-Ausstellung begann, ist heute eine Fachmesse, die weit über diese Thematik hinausgeht. Alles dreht sich um Mobilität im Allgemeinen und Technik, Fortschritt, Innovation im Besonderen. Doch das sind nur Schlagworte. Es geht um viel mehr. streetwheelz1 war am Eröffnungstag der wichtigsten und grössten Mobilitäts-Ausstellung Europas vor Ort und hat ihrer Essenz nachgespürt.

Das Mercedes-AMG Konzeptfahrzeug erregte große Aufmerksamkeit beim Publikum. (Foto: streetwheelz1)

Die IAA bewegt München. Sie ist kein Event, der nur irgendwo versteckt in einem Messegebiet stattfindet und von welcher die übrige Bevölkerung nichts mitbekommt. Die ganze Stadt ist während der fünf Event-Tage in Festlaune. Denn während sich die eigentliche Fachmesse etwas ausserhalb im Messegelände München-Riem abspielt und vor allem auf Business-Leute fokussiert, erstrecken sich die Ausläufer der IAA bis tief ins Herz Münchens und sorgen gerade auch bei den Endverbrauchern für viel Gaudi.

An rund acht Standorten, darunter dem Marienplatz, Max-Joseph-Platz und Odeonsplatz, präsentieren - inmitten von Imbissbuden und teils Live-Musik - Deutsche und internationale Automarken ihre Modell-Neuheiten. Der Eintritt ist frei und zieht grosse Besuchermengen an. Eine Art Kirmes für Autofans und für alle, die Volksfeste mögen.

Die Motorworld präsentierte Autos im IAA Open Space vor der monumentalen Kulisse des Königsplatzes. (Foto: streetwheelz1)

Eines der Highlights ist auch der Standort der Motorworld am Königsplatz. Verschiedene knackige Modelle sind ausgestellt und sorgen für Carmeet-Flair: Ford GT 2005-2006, Amphicar 770 (1961 bis 1968), Mercedes AMG GT Rallye-Edition und weitere Fahrzeuge schmücken den Platz und treten optisch in Wechselwirkung mit den monumentalen Gebäuden. Bemerkenswert ist auch ein Überschlagssimulator der Kreisverkehrswacht Kelheim e.V. Bei diesem können Wagemutige in einen Mini Cooper einsteigen, welcher dann wie ein Spanferkel an einem Spiess gedreht wird.

Ein Ford GT auf dem Königsplatz während des IAA Open Space (Foto: streetwheelz1)

Die großen deutschen Automarken Mercedes-Benz, Porsche, Audi, VW und Opel sind an der IAA natürlich als Platzhirsche gesetzt, allen voran zudem Bayerns Kultmarke Nummer 1: BMW. Diese hier vor über 100 Jahren gegründete Automarke ist auch im Alltag omnipräsent auf den Strassen rund um München und in Bayern. Man fährt hier BMW. Erlkönigen auf der Autobahn Deggendorf A92 zu begegnen, ist zudem an der Tagesordnung.

Besondere Aufmerksamkeit erregte der neue Porsche 911 Turbo S auf dem IAA Open Space. Er beeindruckte die Besucher mit seiner Kombination aus ikonischem Design und Hybrid-Performance. (Foto: streetwheelz1)

Nun wurde an der IAA – sowohl in der Messe als auch im Open Space – als Weltpremiere die neue Klasse von BMW enthüllt. Es handelt sich um das erste Serienmodell BMW iX3. Dieser SUV zeigt eine völlig veränderte Fahrzeugarchitektur für Elektroautos (neues Batterie- und Antriebssystem), ein aktualisiertes Design mit neuem Cockpit (Panoramic Display, 3D-Head-Up Display etc.) und eine neuartige Technik (800-Volt-Technik fürs Laden, effizientere Motoren, bidirektionales Laden). Auch Porsche präsentierte im Open Space seine Neuheit: den neuen Porsche 911 Turbo S. Erstmals ist das Herzstück der Sportwagenreihe 911 von Porsche mit einem Hybrid-Antrieb ausgestattet. Freilich geht es hierbei (noch) nicht darum, komplett elektrisch zu fahren, doch es geht um Leistungssteigerung (bessere Beschleunigung dank einer Steigerung von 650 PS auf 711 PS) und Effizienz (Self-Charging Hybrid).

Audis Concept C präsentiert ein futuristisches Design, das sich durch klare und markante Linien auszeichnet. (Foto: streetwheelz1)

Audi wiederum stellt am Odeonsplatz den Audi Concept C vor, einen vollelektrischen Sportwagen, welcher dereinst den Audi TT ersetzen könnte. Das Design ist bullig, aber zugleich elegant und könnte mit seinem futuristischen Design einem Science-Fiction-Film entsprungen sein, insbesondere mit seiner auffälligen Farbe «Titanium», einem matten Silber. Eine weitere Weltneuheit zieht in Messehalle B3 die Blicke auf sich. Mercedes-Benz setzt mit dem AMG CONCEPT GT XX in knalligem «Sunset Beam Orange» ein starkes Signal. Seit dem AMG One (2017) ist dies der erste Vorstoss ins Hypercar Segment. Hier wird ein klassischer V8 mit Hybrid-Bolidenpower kombiniert (ca. 1.000 PS, brutale Aero, Hybrid mit Rennstreckencharakter). Damit ordnet sich dieses Geschoss in der gleichen Liga ein wie Pagani, Koenigsegg und Rimac Nevera. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Den ausgestellten Konzeptwagen von Opel, der Corsa GSE Vision Gran Turismo, werden Gaming-Fans natürlich sofort wiedererkennen aus dem Spiel Gran Turismo. Doch abgesehen davon, fällt er durch sein aggressives Farb- und Formdesign und seine Rallye-Optik sofort auf.

Der Opel Corsa Vision GS besticht durch seinen aggressiven Rallye-Look und die auffälligen Farben. (Foto: streetwheelz1)


Diese Concept Cars strahlen den Reiz des Unerreichbaren aus. Denn entweder ist meist keine Serienproduktion geplant oder aber es ist noch ein langer Weg dorthin. Doch könnte man nicht gerade diese futuristische Ästhetik öfter auf die Strasse bringen? Manch ein Autofan sähe dies wohl als Bereicherung.

Das Flugtaxi von GAC zeigt, wie Science-Fiction Wirklichkeit wird. (Foto: streetwheelz1)

Neben diesen Lokalmatadoren sind auch zahlreiche europäische Marken (z. B. Renault, Skoda, Cupra), ausgewählte amerikanische (Ford, Lucid) und vor allem viele chinesische Hersteller (BYD, Xpeng, GAC etc.) präsent. Definitiv kann und muss man sagen: Die Konkurrenz schläft nicht.

Porsche präsentierte auf der IAA Mobility seine Wireless Charging (PWC)-Technologie, die komfortables induktives Laden für Elektromodelle ermöglicht. (Foto: streetwheelz1)

Während somit der Fokus der breiten Öffentlichkeit eher auf das Thema Automobile oder eben Mobilität abzielt, ist die IAA auch viel mehr als das. Denn die Fahrzeugneuheiten und Concept Cars sind zwar wichtig, aber nur ein Teil des gesamten Messekonzeptes. In den Riem-Messehallen ist alles auf den B2B-Austausch ausgerichtet. Es gibt eine Startup-Area, es gibt Networking-Bereiche und es gibt in insgesamt sechs Hallen mit Ausstellern zu den verschiedensten Zukunftsthemen rund um die Mobilität. Auf der App der IAA sehen die Besucher die tagesbezogenen Highlights wie beispielsweise Podiumsgespräche oder in den Fokus gerückte Produkte.

Der Avatr Vision Xpectra auf dem IAA Open Space ist ein Konzeptfahrzeug, das futuristisches Design mit markanten Linien und visionärer Präsenz neu definiert. (Foto: streetwheelz1)

Der Montag, erster Messetag, stand ganz im Zeichen hohen politischen Besuches: Dass die IAA nicht einfach für eine oder mehre Branchen eine zentrale Rolle spielt, sondern für ganz Deutschland, wurde spätestens klar, als Bundeskanzler Friedrich Merz und der Ministerpräsident des Freistaates Bayern, Markus Söder, die Messe im Rahmen eines Rundganges besuchten.

Der Bundeskanzler betonte in einer kurzen Rede die Wichtigkeit der Automobilbranche für Deutschland. Es sei wichtig, Innovation in Deutschland zu fördern und Unternehmergeist zu unterstützen. Friedrich Merz sagte, man dürfe «dabei nicht einseitig auf bestimmte Technik setzen, sie muss, ich habe es heute deutlich mehrfach gesagt, technologieaffin sein und den richtigen Rahmen setzen. Das bedeutet beispielsweise, dass wir eine verlässliche Ladeinfrastruktur und den schnellen Hochlauf der eMobilität (..) haben.»

Bundeskanzler Friedrich Merz sprach am Eröffnungstag der IAA über die Bedeutung von Innovationen und klimafreundlichen Technologien, um Deutschlands führende Rolle als Autonation zu sichern und die Wirtschaft zu stärken. (Foto: streetwheelz1)

Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen müssten geschaffen werden, so Friedrich Merz, um eine starke Volkswirtschaft zu bleiben. Diese Offenheit für neue Technologien zieht sich durch die ganze IAA. Technik soll nicht zum Selbstzweck werden, sondern uns voranbringen. Buchstäblich und metaphorisch. Das sieht man auch, wenn an sich die Stände der verschiedenen Aussteller ansieht, die keine Autobauer sind, sondern die Fahrzeuge und Transportsysteme mit ihrer Technik ausstatten. Es handelt sich um viele Branchen, welche die Mobilität indirekt und teils auch fast unsichtbar fördern. Der chinesische Anbieter YFORE beispielsweise bietet ein voll integriertes digitales Fahrerlebnis an mit seinen «Intelligent Vehicle Clients». Dies beginnt beim Zugang zum Fahrzeug (via App, die auf Wunsch auch mit anderen geteilt werden kann), geht über ein intelligentes Cockpit und elektronischen Rückspiegeln bis hin zu Fahrassistenten und Verkehrsinformationen. Die südkoreanische Firma Hatbit Illucom Co. Ltd ist auf die Entwicklung und Fertigung von Automobil-Beleuchtungssystem fokussiert. Es geht um Innen- und Aussenlampen: Scheinwerfer, Ambientebeleuchtung, Lichtvorrichtungen am Kühlergrill, Design.

Ein Roboter des chinesischen Herstellers XPeng. KI, fliegende Fahrzeuge, autonomes Fahren, Androiden und Automatisierung – was einst Theorie schien, ist bereits Realität. (Foto: streetwheelz1)

Spätestens, wenn man das Google-Logo an der Messe entdeckt, wird klar, dass Big Data auch in der Mobilitätsbranche längst Einzug gehalten hat. Überhaupt haben sich exotische Nischenthemen zu den Buzzwords der Fachwelt weiterentwickelt. Mit KI arbeitet heute sprichwörtlich schon fast jedes Kind. Kein Wunder also, dass Roboter, künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos und gar Fluggeräte an der IAA fester Bestandteil der Ausstellung sind wie das Flugtaxi Govy AirCab des Herstellers von GAC (2 Sitze, 20-30 km Reichweite, 120 km/h Höchstgeschwindigkeit).

Man kann sagen, die IAA bedient alle Stakeholder der Innovation: Von Autofans über Mobilitätsnutzer bis hin zu den Architekten und Bewohnern der Zukunft.

Google war als Hauptaussteller auf der IAA Mobility 2025 vertreten und präsentierte unter anderem sein KI-Tool Gemini. (Foto: streetwheelz1)

Ein schönes Sinnbild für die Messe war auch ein DeLorean beim Eingang. Während die Zeitmaschine aus dem Film «Zurück in die Zukunft» bekanntlich mit Uran angetrieben wird, ist der bisher bekannte Treibstoff Benzin. Jedoch ist das ausgestellte Modell elektrifiziert. Doch eben auch diese Technologie ist vermutlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Wie eben schon der Bundeskanzler meinte: Es geht nicht darum, auf eine bestimmte Technik zu setzen. Denn diese ist eben nicht Selbstzweck, sondern soll uns voranbringen.

Ein Symbol für Zukunftsvision: Ein elektrifizierter DeLorean sorgte am Eingang der IAA Mobility für Aufsehen. (Foto: streetwheelz1)

Ein Henry Ford zugeschriebenes Zitat bringt den Geist dieser Messe auf den Punkt: „Hätte ich die Leute gefragt, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Diese Gefahr besteht glücklicherweise nicht mehr dank zukunftsorientierter Messen wie der Mobilitätsmesse „IAA Mobility“, denn hier werden nicht nur die einzelnen Bausteine der Technologie auf innovative Weise zusammengeführt, sondern hier wird die Zukunft tatsächlich gestaltet. // Verfasst von Claudia Ryf

Informationen zur Ausstellung:
Die IAA Mobility findet vom 9. bis 14. September 2025 in München-Riem sowie an ausgewählten Standorten in der bayerischen Landeshauptstadt statt.

Website des Veranstalters: https://www.iaa-mobility.com