Das Critérium Jurassien 2026 war ein bildgewaltiges Rallye-Epos zwischen Industrieparks und urzeitlichen Landschaften
Am 27. und 28. März 2026 fand im Jura der 47. Critérium Jurassien statt. Das vollgepackte Programm bot den Rallye-Fans viel Action. Dies auf sehr unterschiedlichem Terrain und sozusagen durch mehrere Wetterzonen hindurch. streetwheelz1 hat bei Schneefall, Regen und Sonnenschein mehrere Rennen besucht und erzählt von den Eindrücken der zwei Rallyetage, welche starke Bilder bot und noch dazu eine Lektion in Erdgeschichte.

Frühling war bestellt. Winter kam. Wer noch unter dem Eindruck von blühenden Kirschbäumen und Magnolien in den meisten Schweizer Städten stand und sich ein frühlingshaftes Rallyegeschehen wünschte, musste sich warm anziehen. Just rund um die zwei Eventtage brach noch einmal wuchtig die kalte Jahreszeit herein und lieferte reichlich Neuschnee, Nieselregen und kalten Wind. Der Wintereinbruch hielt aber natürlich weder die Fahrer noch das Publikum vom Event fern.

Dreh- und Angelpunkt war in diesem Jahr erstmals nicht Saignlegier, sondern die Gegend um Moutier herum. Dort war das Fahrerlager, dort fand das Regroupment statt und dort würde an Tag 2 auch das «Super Spéciale» als Krönung des Events fungieren.
Der Shakedown fand oberhalb der Stadt Moutier statt, wo die umliegenden Felder nun, Ende März, wieder Zentimeterdick mit Neuschnee bedeckt waren. Immerhin war der Boden der Strasse nur nass, aber nicht gefroren. Entsprechend guten Grip hatten die Fahrzeuge. Für die Rallye-Teststrecke hatten sich die Organisatoren eine eigentlich eher unspektakuläre, rund 3 km lange Strecke mit leichten Anstieg ausgesucht. Doch was diesen Ort besonders machte, war seine urzeitliche Geschichte. Wo nun Rallyeautos ihre kurzlebigen Muster auf die nasse Strasse zeichneten, hatten vor 152 Millionen Jahren vierbeinige, meist pflanzenfressende Dinosaurier ihre Spuren hinterlassen. Direkt neben dem Streckenposten konnte man diese im Steinbruch sehen.

Bereits an diesem nicht gewerteten Testlauf wurden Sieger gemacht. Jedenfalls zeigten sich bereits hier die Stärken der Top-Favoriten. So waren die Topklassen RC2 / Rally2 komplett präsent und bereits im vollen Rennmodus. Um 11:05 fuhr als erstes Team HILTBRUNNER & ZAROS (#32) mit ihrem Mitsubishi Lancer Evo IX. Circa zwei Minuten später hörte man bereits TAPPAREL & TAPPAREL (#201) aus der Ferne mit ihrem grünen Porsche 911 SC, welcher einen willkommenen Farbtupfer in die weisse Landschaft malte. Während einige Teams die Kurven noch eher zurückhaltend bearbeiteten, ging es bei ALTHAUS & ZBINDEN (#6) sofort zur Sache, da wurde spektakulär am inneren Kurvenrand der Schnee zur Seite geschaufelt. Ein eleganter Drift aus dem Lehrbuch war zudem bei den Topfavoriten HIRSCHI & VOLLUZ (#1) zu bewundern. Die meisten Teams fuhren die Strecke zweimal hoch, zweimal runter. Insgesamt 24 Läufe gab es bis 16 Uhr.

Zweiter Schwerpunkt des ersten Tages des Critérium Jurassien war dann ES1 von Courtemautruy nach Les Enfers. Die 29 km lange Strecke, technisch fordernd, mit starkem Höhenwechsel, war wohl die anspruchsvollste Prüfung des ganzen Events. Der Jura ist generell ein anspruchsvolles Terrain für Rallyeteams. Die urzeitliche Bodenfaltung machte aus dem einstigen Jurameer eine bergige, zerklüftete, zuweilen wilde Landschaft.
Ein attraktiver Beobachtungspunkt befand sich in St. Ursanne, einem wunderschönen mittelalterlichen Städtchen, eingebettet ins Juratal, in der Flussschleife des Doubs. Imposant ragt dort auch die 25 m hohe steinerne Eisenbahnbrücke in den Himmel, der an jenem Tag dunkel gefärbt war. Regen gab es indes nicht. Hier war es trocken und teils sonnig, obwohl nur etwa 15 km entfernt von Moutier. Ein Streckenposten befand sich direkt bei der Einmündung der Route du Clos du Doubs in die scharfe Haarnadelkurve hoch zur Route Cantonale. Ein Manöver, welches den Fahrern sichtlich Spass machte. Schon die Paradeautos und der Safetycar zeigten dies. Neben einem Aston Martin V12 Vantage, der sich elegant hochdriftete, demonstrierte unter anderem auch ein Opel Ascona B, wie man mit quietschenden Reifen den abrupten Richtungswechsel vollzieht.
Auch die Klasse «Slowly» war alles andere als langsam: So hatte beispielsweise ein Mercedes-Benz Benz 450 SLC die Kurve brachial bewältigt und fuhr nun mit rauchenden Reifen weiter. Auch bei VHC verlor man keine Zeit. TAPPAREL & TAPPAREL (#201) wiederum smooth unterwegs. Dann hetzten JOLIDON & VON KAENEL im BMW M3 (#202) haarscharf durch die Kurve, fast noch die Leitplanke touchierend. Mehr Spektakel geht nicht. Mehr und mehr brach die Dämmerung herein, sodass man als Zuschauer irgendwann nur noch die blendenden Scheinwerfer sah, die sich einem frontal näherten und dann wegschwenkten, begleitet von Getöse.

Ein besonderer visueller Leckerbissen bot sich den Zuschauern bei ES 3, welches durch das Kies- und Schotterwerk von Lachat SA führte. Die “Freunde des Schweizer Motorsports” haben hierzu auf ihrem Facebook-Account spektakuläre Szenen publiziert,, (https://www.facebook.com/FreundedesSchweizerMotorsport) zeigen beispielsweise HOUMARD & AUBRY (#30) in ihrem Renault Clio (RC4 Rally4) auf dem Areal über eine Steigung fegen und teils richtiggehend abheben.

Obschon das Wetter im Jura weiterhin garstig kalt und regnerisch blieb, fanden sich für die letzte Prüfung, das «Super Spéciale» in Moutier selbst, viele Schaulustige ein. Das Rennen war im Industriepark am Stadtrand geplant. Bis es so richtig los ging, hatte die Dämmerung bereits eingesetzt. Glücklicherweise war aber das Areal beleuchtet, sodass das Rennen gut sichtbar war. Das enge Areal verlangte den Fahrern viel Präzision ab und in einer engen 90-Grad-Kurve ergaben sich attraktive Drifts und hartes Einlenken, um nicht in den Zaun zu fahren. Besonderer optischer Leckerbissen: Die erhitzten Bremsen des Citroën C3 von MARET & LOUKA (#2) begannen, im Dunklen zu leuchten.

Noch bildgewaltiger war nur folgende Szene am Vortag in St. Ursanne gewesen: Wenn man auf der Strasse hoch zum Bahnhof ging, hatte man von dort aus eine wunderbare Sicht auf das Städtchen und auf die Berge auf der anderen Seite und die bereits beschriebene Haarnadelkurve von ES1. Als die Rallye nachts noch im vollen Gange war, standen dort auf der Anhöhe mehrer Zuschauer am Hang und blickten andächtig rüber in die Dunkelheit. In der Ferne hörte man die Motoren aufheulen, die Reifen quietschen und immer wieder war der Lichtkegel der Rallyeautos zu sehen, als sie sich von der Kurve hoch auf den Berg arbeiteten. Ein geradezu poetischer Anblick.
Der Jura ist voller Schönheit, unter der Oberfläche und darüber. Doch erst recht, wenn die wieder die Rallyeautos des Critérium Jurassien fahren. // Geschrieben von cr
Gewinner:
Gesamt (Modern / RC2):
Hirschi / Volluz
2WD:
Gillet / Spart
RC4 + Schweizer Cup:
Zurkinden / Pury
VHC (Historisch):
Keller / Juple
VHRS (Regelmäßigkeit):
Pernet / Pernet
VMRS:
Randin / Allenbach
Webseite: https://criterium-jurassien.ch/




