Bei der Rallye du Valais 2025 drehte sich alles um den schönsten Kreisel der Welt

Petrolheads und Rallyefans bekommen jeweils viele attraktive Rennmomente geboten an der Rallye du Valais. Dieser Event bietet Action pur mit den kurvigen Strecken und krassen Drifts im Kanton der endlosen Weinberge. In diesem Jahr gab es zudem noch einen optischen Leckerbissen: Inmitten des Nebel- und Nieselwetters präsentierte sich ein unerwartetes Highlight. Denn während Verkehrskreisel oft als langweilig oder gar als Schandflecke von Schweizer Ortschaften empfunden werden, präsentierte sich in einem kleinen, Walliser Dorf der schönste Kreisel der Welt. Streetwheeelz1 war vor Ort und hat die Eindrücke des Rennens eingefangen.

Foto: streetwheelz1

Die rasanten Fahrten über die Berge und Täler des Wallis sind das A und O der «Rallye du Valais». Doch ebenso wichtig ist der Ort, an dem die Siegerträume erschaffen werden: das Fahrerlager in Martigny. Dort werden die Autos vor und nach den Rallyefahrten wieder zurecht gemacht. Motoren werden geprüft, Räder ab- und wieder angeschraubt, Autos hochgehievt. Die Techniker hantieren in den Hubräumen und die Fahrer bereiten sich, bereits im Renndress, auf die nächste Route vor.

Für einmal sieht man die Autos, die sonst nur an einem vorbeipreschen, aus der Nähe, im Höchstgeschwindigkeit So nah, dass selbst lädierte Karosserien sichtbar werden. Aber das ist nur Kosmetik. Selbst mit zerfleddertem Blech lässt sich noch fahren und ein guter Gesamtrang holen. Im Servicecamp herrscht eine Aufbruchsstimmung. Hier wird die Basis für den Sieg gelegt, aber steht noch nichts fest. Reines Potential, das noch nicht besiegelt ist. Sozusagen Quantenmechanik: alle Zustände sind noch möglich, denn die Beobachtung — das finale Rennen — hat noch nicht stattgefunden. Jetzt können noch Zeiten wettgemacht werden. Hingegen wird bei der Werteprüfung Geschichte geschrieben. Hoffnungen weichen der Zeitmessung.

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Nach strahlendem Sonnenschein im vergangenen Jahr herrschte diesmal regelrechtes Fondue- und Raclette-Wetter entlang gewisser Teilstrecken der Rallye. Rauf nach Bruson (Val de Bagnes) fährt ein Postauto. Nicht allzu oft allerdings. An diesem Renntag legte sich dichter Nebel in Schwaden über das idyllische Hinterland des Wallis und verschluckte auch zuweilen das beschauliche Dörfchen, welches vis-à-vis des berühmten Skiortes Verbier liegt. Kalter Nieselregen bearbeitete ausdauernd alle nicht wasserfesten Oberflächen. Gemütlich war der Aufenthalt draussen nicht. Aber für eingefleischte Rallyefans richtig und wichtig. Wer dem Wetter trotzte, wurde als Zuschauer reichlich belohnt. Insbesondere, wenn er sich an den neuralgischen Punkten der Rennstrecke aufhielt.

Foto: streetwheelz1

Einer davon befand sich bei der Einfahrt ins Dorf. Auf steilem Terrain war hier eine V-Kurve zu bewältigen und beim dortigen scharfen Linksabbiegen fuhren einige Autos lediglich auf drei Rädern. Auch manch anschliessender Schlenker mit dem Heck war nicht ohne. Man wusste als Zuschauer nie, was als Nächstes kommt, ob das Auto vielleicht doch noch ausbrechen würde. Das garstige Wetter machte es den Zuschauern wirklich nicht leicht, doch es wirkte, als wären diese Naturphänomene zumindest für die Fahrer eine Art Ansporn, noch mehr Gas zu geben. Buchstäblich im Minutentakt änderte sich die Sicht. So kam es vor, dass ein Auto auf der eigentlich schnurgeraden Hauptstrasse bereits nach einigen Dutzend Metern komplett hinter der Nebelwand verschwand, fast so, als würde es in einen noch nicht berechneten Bereich eines Computerspieles eintauchen.

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Ein weiterer attraktiver Beobachtungs-Standort war Bruson Valbord. Der Dorfkern besteht vorwiegend aus historischen Gebäuden und Holz-Chalets. Ein Ort, beinahe klischeehaft brav, aber mit einem unverhofft wilden Blickfang. Denn man kann wirklich sagen: Bei dem Rennen durch Bruson gab es neben den Rallyeteams einen weiteren Hauptakteur: den begrünten Verkehrskreisel. Die Aufgabe der Wertung bestand darin, einmal drum herum zu fahren, dann weiter hoch und raus aus dem Dorf. Doch es kam zu witzigen Slapstick-Szenen, als einige Teams den Bereich des Rondells zu früh verliessen, dann einige Meter zurück talwärts fuhren, bis sie ihren Irrtum bemerkten und umkehrten. Die wirklich genialen Momente ergaben sich aber, wenn die Autos mit Vollgas um den Kreisel preschten und der Kreisel besser als jeder Physikunterricht die Wucht der Zentrifugalkraft zeigte. Die Drifts um den Kreisel waren schlicht spektakulär. Beinahe wie ein Eiskunstläufer glitten die PS-starken Fahrzeuge über den regennassen Boden, allerdings alles andere als lautlos. Ein Fahrzeug machte sogar eine ungewollte Extra-Drehung, bis es sogleich weiterfuhr, als wäre nichts gewesen. Der Kreisel wurde zum buchstäblichen Dreh und Angelpunkt und entschied möglicherweise das eine oder andere Endresultat.

Foto: streetwheelz1

Dieser Verkehrskreisel brachte womöglich einige Rallyeteams zum Verzweifeln, war aber Quell grösster Freude, wenn man spektakuläre Drifts sehen wollte. Schöner könnte ein Kreisel nicht sein. Halt einfach der schönste der Welt.
// Geschrieben von CR

Über die Rallye du Valais

Die Rallye findet seit 1960 jährlich statt.

Die Sieger der Rallye du Valais 2025 in der Kategorie der modernen Fahrzeuge waren erneut Hirschi/Greppin (Citroën C3 Rally2). Weitere Sieger waren: Brosy/Erismann mit ihrem BMW M3 in der 8. Rallye Historique, Udriot/Udriot mit ihrem Toyota Celica GT4 Carlos Sainz (3. Rallye du Valais VHRS) und Randin/Allenbach mit ihrem Toyota Yaris GR (2. Rallye du Valais VMRS).

Offizielle Website: https://riv.ch