THE ICE St. Moritz 2025: Wenn Horacio Pagani höchstpersönlich übers Eis gleitet

Es könnte kaum einen anspruchsvolleren Veranstaltungsort für ein Auto-Event geben als das charmante Schweizer Dorf St. Moritz auf über 1.800 Metern über dem Meeresspiegel. Ein Traumziel für alle, die die Kombination aus atemberaubender Berglandschaft und Luxus lieben. Einmal im Jahr findet dort ein wirklich einzigartiges Winterspektakel statt: Auf dem zugefrorenen See werden Festzelte aufgebaut und das Eis verwandelt sich in eine Rennstrecke und eine Bühne für einige der exklusivsten Autos der Welt. Streetwheelz1 war vor Ort, um die Highlights dieses außergewöhnlichen Events zu dokumentieren.

Ein schöner Kontrast zum weissen Schnee: Ein Pegaso Z-102 bei THE ICE St. Moritz 2025 (Foto: streetwheelz1)

Beim Sprechen mit Oldtimer-Fan und Oldtimerfans das ganze Jahr über, winken manche ab, wenn von THE ICE St. Moritz die Rede ist. Ihnen erscheint der Event zu luxuriös. Wer Oldtimer besitzt, sie mit eigener ölverschmierter Hand restauriert, akribisch pflegt und einen Großteil seines Lebens diesen besonderen Maschinen widmet, mag es oft einfacher, puristischer oder bodenständiger. An dieser Bescheidenheit ist nichts auszusetzen, und jeder hat seine eigene Vorstellung davon, was einen wahren Autoenthusiasten ausmacht oder auf welcher Bühne besondere Autos präsentiert werden sollten. Dabei ist THE ICE St. Moritz ein facettenreicher Event, der neben der Präsentation hochkarätiger Automobilgeschichte Modelle, bietet auch eine angenehme Leichtigkeit des Seins. Es ist eine lebendige Feier des Lebens.

Ein Lamborghini Countach LP400S Safety Car im Einsatz beim THE ICE St. Moritz 2025 (Foto: streetwheelz1)


Die Veranstaltung ist gut organisiert und keineswegs nur ein Treffpunkt für die Reichen und Berühmten aus aller Welt. Natürlich gibt es auch wohlhabende Zuschauer in eleganter Kleidung, die Champagner und Aperol Spritz schlürfen. Aber es gibt auch junge Auto-Spotter und Influencer, neugierige Einzelpersonen und ganze Familien, die von der Veranstaltung genauso begeistert sind.

Beim ICE geht es nicht nur um die Autos – es ist ein Schönheitswettbewerb, ein echter Concorso d'Eleganza.

Tag 1: Wenn die Rennwagen im Leerlauf dröhnen
Bei strahlendem Sonnenschein glänzten die ausgestellten Oldtimer auf der Eisfläche. Aus verschiedenen Ecken war Motorengebrüll zu hören und geöffnete Motorhauben glänzten unter der blendenden Engadiner Sonne. In der Luft lag der Duft von Benzin. Rund 50 Fahrzeuge waren ausgestellt, jedes auf seine Art exquisit. Die statische Ausstellung der Autos weckte sicherlich die Vorfreude auf den nächsten Tag, wenn sie in der Arena zu sehen sein würden.

Nicht nur optisch ein Hochgenuss, sondern auch akustisch: Viele Autos demonstrierten ihre Power unter der Haube. (Screenshot aus dem Video von streetwheelz1)
Schönheit am St. Moritzersee: Ein Lamborghini Miura (Screenshot aus dem Video von streetwheelz1)

Wenn der Pagani auf die Strecke geht
Eine Vorschau auf die Rennstrecken-Action kam aus unerwarteter Quelle. Streetwheelz1 hatte vor einiger Zeit das Pagani-Museum und die Werkstatt in Italien besucht. Es ist faszinierend, etwas über die Produktion dieser Hypercars zu erfahren und sie in Handarbeit gefertigt zu sehen. Aber am Ende übertrifft die Praxis die Theorie. Als Fan möchte man das Geräusch des startenden Motors hören, die Drehzahl genießen und die Beschleunigung in Aktion sehen. Dies war bei der diesjährigen THE ICE St. Moritz 2025 möglich. Horacio Pagani selbst war nicht nur bei der Pagani-Ausstellung der Veranstaltung anwesend, sondern ging auch in einem silbernen Utopia auf die Strecke. Neben einem schwarzen Epitome drehte er mehrere Runden – schon auf einer normalen Asphaltoberfläche ein beeindruckender Anblick. Aber auf einem zugefrorenen See, der mit einer Schneeschicht bedeckt war, bekam es eine ganz neue Dimension. Der Klang der Motoren, die Art und Weise, wie der Epitome Kurven nahm und seitlich über den Schnee rutschte und spektakuläre Drifts hinlegte – es war episch. Und dann die Erkenntnis, dass der Schöpfer dieser Automarke seine Vision aus Kohlefaser persönlich über den Schnee trug – das war unbezahlbar.

Viel Schnee und Eis – und noch mehr Action: Horacio Pagani selbst fährt den Utopia. (Foto: streetwheelz1)

Tag 2: Wenn Oldtimer durch den Schnee driften und durch Pfützen spritzen
Der zweite Tag der Veranstaltung war Dynamik pur. Bei der Classic Car Rally drehten Autos im Wert von mehreren Millionen Dollar ihre Runden und man muss zugeben, dass nicht nur Hypercars gut aussehen, wenn sie driften. Es gab einige erstaunliche Manöver von Oldtimermodellen – Autos, die man normalerweise nur in Museen sieht, geschützt hinter „Nicht berühren“-Schildern. Hier jedoch bewältigten diese historischen Fahrzeuge die unebene, gefrorene Oberfläche mit beträchtlicher Geschwindigkeit. Gelegentlich geriet ein Modell ins Schleudern oder blieb sogar im Schnee stecken. Die Aktionen waren nicht übermäßig rücksichtslos, aber die unverschämt teuren Modelle wurden auch nicht mit übermäßiger Vorsicht behandelt. Manchmal war es vielleicht schmerzhaft, zuzusehen, aber gleichzeitig war es erfrischend zu sehen, dass diese hochwertigen Autos mehr taten, als nur hübsch herumzusitzen – sie wurden hart gefahren.

Ein Ferrari 250 GT Coupé oder 250 Europa GT brüllt über den Schnee (Foto: streetwheelz1)

Wenn $15 Million durch eine Pfütze pflügt
Eine Besonderheit von THE ICE St. Moritz sind die unerwarteten, inoffiziellen Highlights abseits der Hauptbühne. So zum Beispiel dieser Moment: In Ufernähe, wo das Eis rund 60 cm dick war, hatte sich Schmelzwasser angesammelt. Und nach dem Event fuhren Oldtimer geradewegs durch diese Pfützen. Das war vermutlich nicht besonders riskant, aber spektakulär war es allemal. Es kommt selten vor, dass ein $15 Millionen Ferrari 250 GT California Spyder SWB (1960–1963, 55 gebaute Exemplare) durch eine große Pfütze watet. Ebenso bahnte sich ein $10 Millionen Bugatti Type 59 (1934–1935, nur 8 Stück produziert) furchtlos seinen Weg durch das 10–20 cm tiefe Wasser. Solche Momente live mitzuerleben, war wirklich ein Geschenk.

Wasserspritzer statt Schneewolken: Dieser atemberaubende Abarth 2000 Sport fährt geradewegs durch die Pfütze. (Screenshot aus dem Video von streetwheelz1)

Spannung auch abseits der Hauptbühne
Auch abseits der Hauptbühne war einiges los. Immer wieder tauchten Autos auf, die die Carspotter für gute Laune sorgten. Einige der teuren Modelle waren vorab per LKW angereist, andere fuhren selbst an. Auch einige Marken, die nicht offiziell Teil des Events waren, zeigten sich, sehr zur Freude der Carspotter. Am Ortsrand platzierte RIMAC strategisch zwei Rimac Nevera und einen Bugatti Chiron Super Sport auf einem Parkplatz zum Public Viewing. Ein grüner Lamborghini Sterrato mit Dachbox fuhr immer wieder auf und ab und sorgte für Aufmerksamkeit. Und dann waren da noch die drei Koenigsegg-Modelle, die sich blicken ließen. Ein Jesko Absolut stand zeitweise mit geöffneter Tür vor einem Hotel, sodass Enthusiasten einen genaueren Blick erhaschen konnten.

Die vielen Reifenspuren auf dem St. Moritzersee sind längst verschwunden, die unvergessliche Erinnerung an diesen Anlass bleibt.

Etwas, das nur in St. Moritz möglich scheint: Ein Koenigsegg Jesko Attack parkt mit offener Tür vor einem Hotel. (Foto: streetwheelz1)

Mehr zur Veranstaltung:
https://theicestmoritz.ch

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