Die Internationale Walliser Rallye 2024: Wo Legenden zum Leben erwachen

Wenn Motorengeräusche durch die tiefen Täler des Wallis schallen und die Autos durch die Haarnadelkurven driften, ist es Zeit für die Rallye International du Valais 2024. Streetwheelz1 hat fantastische Impressionen aus dem Servicepark des CERM in Martigny und entlang der Rennstrecke eingefangen.
Das Wallis ist für seine atemberaubende Berglandschaft, Weinberge und natürlich seinen Wein bekannt. Seit den 1960er Jahren verbinden Motorsportfans den Kanton aber auch mit Rallyerennen. Die Rallye International du Valais erfreut sich in ganz Europa großer Anerkennung und zählt zu den fünf bedeutendsten Rallye-Veranstaltungen. Sie wird oft in einem Atemzug mit prestigeträchtigen Veranstaltungen wie denen in Monte Carlo, Finnland, Portugal und Sardinien genannt. Dieses Jahr nahmen über 100 Fahrzeuge in vier Rennkategorien teil.

In diesem Jahr waren viele international bekannte Namen am Start. Unter ihnen war auch der deutsche Adelige Albert von Thurn und Taxis, der am Ende den dritten Platz belegte. Jos Verstappen, Vater von Formel-1-Weltmeister Max Verstappen und selbst ehemaliger Formel-1-Fahrer, kam auf den sechsten Platz. Gewonnen wurde die Rallye letztlich von den erfahrenen Fahrern Jonathan Hirschi und Mélanie Tendille.

(Foto: streetwheelz1)
Im CERM Service Park
Zunächst war es ruhig am CERM in Martigny, denn die Autos waren noch auf der Strecke. Die Servicezelte waren leer, und der Oktobermorgen war kühl. Gegen Mittag trafen immer mehr Fahrzeuge ein, und bald wurde die Atmosphäre durch Motorenlärm und Benzingeruch belebt, denn die Mittagssonne schien mit voller Kraft.

(Foto: streetwheelz1)
Für Motorsport- und Autofans lohnt es sich auf jeden Fall, die Autos nicht nur bei voller Fahrt auf der Strecke zu beobachten, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Nach und nach füllten sich die Servicezelte mit Autos und die Teams traten in Aktion. Jeder Handgriff war präzise. Jedes Teammitglied wusste genau, was zu tun war. Autos wurden angehoben, Hauben geöffnet, Räder abmontiert – alles in rasantem Tempo. Als Rallye-Zuschauer schafft der Anblick der Autos aus der Nähe eine besondere Verbindung und es ist noch spannender, sie hinterher in Aktion zu sehen.

(Foto: streetwheelz1)
Neben modernen Kompakt-Skodas und getunten Peugeots, BMWs und Renaults waren auch einige historische Modelle auf der Strecke zu sehen. Darunter auch ein grüner Porsche 911 (wahrscheinlich aus der Carrera RS-Serie) in der Kategorie historischer Rennsport. Ein Auto, das sofort auffallen würde, wenn es in der Nähe der Zürcher Bahnhofstrasse parken würde, aber hier ist es mehr als nur ein stylisches Wochenendauto; es ist Teil des Wettbewerbs und muss sich beweisen. Wie ein Boxer im Ring zwischen den Runden wurde dieses Modell für die nächste Etappe vorbereitet. Später am Nachmittag wartete die anspruchsvolle Anzère-Etappe durch die Walliser Alpen. Es gab auch einen Ferrari Dino 308 GT4. Streetwheelz1 hatte zuletzt ein ähnliches Ferrari-Modell bei der Swiss Classic World in Luzern gesichtet. Aber dieses Auto in Bewegung und nicht in einem Museum oder einer Autoshow zu sehen, ist beeindruckend. Ein so seltenes Auto nicht einfach in Würde altern zu lassen, sondern es an seine Grenzen zu bringen und Schäden oder Wertverlust zu riskieren, ist sicherlich eine schwierige Entscheidung, aber es verleiht dem Erlebnis Vitalität und Spannung.

Auf der Rallye-Etappe
Am nächsten Tag machte sich Streetwheelz1 auf den Weg zur Rallyestrecke. Gewisse Aussichtspunkte sind ohne Auto nicht immer leicht zu erreichen und der öffentliche Verkehr ist nicht nur aufgrund rallyebedingter Strassensperrungen eingeschränkt. Eine relativ gut erreichbare Etappe gibt es allerdings in Vollèges. Mit Regionalzug und Bus gelangt man von Martigny aus in rund 30 Minuten dorthin. Danach folgt ein kurzer Fussmarsch zum offiziellen Aussichtspunkt: einer Wiese und einem Feld inmitten der eindrücklichen Walliser Berglandschaft. Von dort hat man einen guten Blick auf einen kurvenreichen, aber nicht zu steilen Streckenabschnitt.

Die Endwertung zeigt ein auffälliges Muster: Acht der Top-Ten-Fahrer fuhren in Skodas. Das ist in Rennsportkreisen kein Geheimnis, Außenstehende mag es auf den ersten Blick überraschen. Doch wer das Rennen beobachtet, wird schnell klar, dass kleinere, leistungsstarke Autos auf kurvigen Strecken im Vorteil sind. Am Vortag beim CERM schienen Kompaktwagen wie Renault, Peugeot, Hyundai und andere vor Leistung zu strotzen. Die hochgetunten Motoren schienen heftig zu vibrieren, als die Autos zur Zeitkontrolle krochen.

(Foto: streetwheelz1)
Diese Kraft zu kontrollieren, vor allem in den Kurven, verlangt den Fahrern alles ab. Das zeigte sich am Rallyetag, als einige Fahrzeuge beinahe eine Kurve verpasst hätten, worauf die Menge mit einer Mischung aus Jubel und aufmunternden Worten reagierte. Glücklicherweise passierte nichts Ernstes. Bemerkenswerterweise endeten auch zwei Unfälle auf einer anderen Prüfung am Vortag ohne schwerwiegende Folgen. Einer davon betraf die Fahrer Burri und Aubry, die auf der Prüfung von Bramois nach Saint-Martin über 600 Meter in eine Schlucht stürzten und sich nach eigenen Angaben hundertmal überschlugen. In einem normalen Auto hätten sie das nicht überlebt. Doch Rallyeautos mit ihren Überrollkäfigen und anderen Sicherheitsvorkehrungen sind alles andere als normale Fahrzeuge.

Für Autofans und Rallye-Begeisterte ist eine Reise ins Wallis ein absolutes Muss. Die Wettkampfatmosphäre live mitzuerleben ist definitiv ein Highlight. Denn die Rallye International du Valais ist der Ort, wo Legenden zum Leben erweckt werden.
Schauen Sie sich unsere Rallye-Videos an:
Mehr zur Veranstaltung: https://www.riv.ch/