Der DeLorean DMC-12: Wenn ein Auto in der falschen Zeitlinie feststeckt

Dieses Auto kennt man wohl einfach. Weil man den Film "Back to the Future" gesehen hat, welcher auf der Filmdatenbank IMDb auf Platz 37 der besten Filme aller Zeiten rangiert. Und eng damit verknüpft ist dieses silbern schimmernde Auto mit Flügeltüren. Allein, man sieht dieses Auto selten auf Schweizer Strassen. Doch kürzlich hatte streetwheelz1 die Gelegenheit, ein Exemplar näher zu betrachten. Zeit für eine Ode an den DeLorean DMC-12.

Ist er vielleicht gerade von einer Reise ins Zeitalter der Dinosaurier zurückgekehrt? Die Front eines DeLorean DMC-12. (Foto: streetwheelz1)

Dieses Auto ist irgendwie alles gleichzeitig: Es sieht typisch für die 1980er-Jahre aus mit seinem keilförmigen Design, das an den Lotus Esprit angelehnt ist, aber auch gewisse Designelemente von Pontiac mitbringt. Kein Wunder, wenn man auf den Werdegang dieses Autos blickt. Doch der DeLorean besitzt auch Eigenschaften, die heute als futuristisch bezeichnet werden, wie die ungewöhnlichen Flügeltüren oder die unlackierte Edelstahlkarosserie, welche heutzutage auch ein gewisser Elon Musk für sich entdeckt hat. Generell zeigt der DMC-12 eine aufgeräumte, saubere Ästhetik, die einem auch gefallen kann, wenn man kein Science-Fiction-Fan ist.

Das keilförmige Design wirkt sauber und stromlinienförmig. (Foto: streetwheelz1)

Die Geschichte hinter dem DeLorean ist leider nicht ganz so clean. Sein gleichnamiger Schöpfer hatte sich als Ingenieur und Manager bei General Motors einen hervorragenden Ruf erarbeitet und war massgeblich für die Entwicklung am Pontiac GTO, einem der ersten Muscle Cars, verantwortlich. Doch John DeLorean wollte seine eigenen Ideen umsetzen und überwarf sich schliesslich mit seinem Arbeitgeber. So gründete er sein eigenes Unternehmen und arbeitete fieberhaft an der Entwicklung des damals als "DeLorean Safety Vehicle" bezeichneten Prototypen. Es gab jedoch wenig Unterstützung seitens anderer Autohersteller und beispielsweise Porsche lehnte den Auftrag ab, das Modell zur Marktreife zu bringen. Schliesslich kam Lotus zu Hilfe und schaffte die Fertigstellung in nur zwei Jahren. Porschelehnte beispielsweise das Angebot ab, das Modell auf den Markt zu bringen. Schließlich sprang Lotus ein und schloss das Projekt in nur zwei Jahren ab.

Doch die Skepsis in der Branche war nicht unbegründet gewesen. Denn der enge Zeitplan und die limitierten finanziellen Mittel führten dazu, dass einige Ideen unausgegoren blieben und auch die technischen Spezifikationen des Autos bei seiner Markteinführung nicht wirklich überzeugen konnten. Von der Ursprungsidee eines Sportwagens war optisch nicht mehr viel übrig geblieben und auch die Motorenleistung war nicht nach jedermanns Geschmack. Denn unter der Haube hatte der DeLorean lediglich einen 2,8 Liter grossen PRV-Sechszylinder-V-Motor mit 130 PS. Damit konnte der DeLorean leider nicht ganz so gut beschleunigen wie in den "Back to the Future"-Filmen. Statt in wenigen Sekunden auf Lichtgeschwindigkeit (oder zumindest 88 mp/h) zu kommen, benötigte er ganze 9,5 Sekunden für 100 km/h.

Die Rücklichter haben etwas Altmodisches und zugleich Ästhetisches an sich. (Foto: streetwheelz1)

Das Auto wurde kommerziell zum Flop. Und riss damit sowohl die Firma wie auch ihren Patron ins Verderben. Nur 7 Jahre nach ihrer Gründung ging im Jahre 1982 die DeLorean Motor Company in Konkurs. Der Gründer wurde zudem mit dubiosen Drogengeschäften in Verbindung gebracht, die vielleicht ein letzter verzweifelter Versuch zur Firmenrettung gewesen waren. DeLorean fasste nie mehr Fuss in der Autobranche und ging zudem 1999 in Privatinsolvenz. Bis zu seinem Tod im Jahre 2005 lebte er zurückgezogen auf einer Farm.

Futuristisches Design, unlackierte Edelstahlkarosserie und ein Visionär als Schirmherr: Der DeLorean hat mehr mit Elon Musks Cybertruck gemeinsam, als man vermuten würde. (Foto: streetwheelz1)

Einmal mehr lässt sich beobachten, dass Machertypen mit einer grossen Vision nicht zwangsläufig auch erfolgreich sind. Firmenpatron DeLorean stand damals vor ähnlichen Herausforderungen mit seinem Auto wie Elon Musk heute mit seinem Cybertruck. Aber Tesla besitzt die besseren finanziellen Mittel und mehr Zeit zum Nachbessern.

Schlichtes Design, aber mit ansprechender Ästhetik ausgestattet. (Foto: streetwheelz1)

In "Back to the Future" spielt der DeLorean eine zentrale Rolle. Er ermöglicht den Protagonisten diverse Zeitreisen, die ihnen letztlich auch Glück und eine bessere Zukunft bringen. Leider war dies dem Vater des DeLorean nicht vergönnt. Und auch der DeLorean ist zwar ein Kult-Auto, aber halt kein kommerziell erfolgreiches Projekt. Wir werden nie erfahren, wie der DeLorean herausgekommen wäre unter idealen Bedingungen. Vielleicht wäre er ja kommerziell erfolgreich gewesen, aber ohne das gewisse Etwas.

Glaubt man jedoch an die Viele-Welten-Theorie, so könnte man geneigt sein, sich den DeLorean in einer alternativen Zeitlinie vorzustellen. Wie die Marke in einer günstigeren Welt aufgeblüht wäre und John DeLorean, welcher sich sehr für nachhaltige Technologien interessierte, an jenem Ort vielleicht als eine Art Elon Musk die Technikwelt begeistert hätte.

Der DeLorean umgibt in jedem Fall eine geheimnisvolle Aura, die er zweifellos dem Film verdankt. Sein schlichtes Design wirkt wie eine Verkleidung, unter der unglaubliches Potenzial verborgen liegt. Es erinnert uns daran, dass die Menschheit nach Größe strebt, ja sogar danach, Raum und Zeit zu beherrschen. Und genau das macht den DeLorean zu einer zeitlosen Ikone.. / Geschrieben von cr

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Der DeLorean auf dem Foto
Es war kein Zufall, diesem schönen Exemplar zu begegnen. Denn die Enter Technikwelt Solothurn ist ein Museum für Zeitgeschichte und organisiert immer wieder auch Auto-Treffen. Die Bilder stammen von einem solchen Autotreffen. Website: https://enter.ch