Restaurierung eines MG von 1969: Von der Ästhetik des Unvollendeten

Kürzlich ließ Oldtimer-Experte Jan Delpy seinen MG Baujahr 1969 in seiner Werkstatt im schweizerischen Basel wieder aufbauen und ihm den letzten Schliff verpassen. So etwas sieht man nicht alle Tage. Für streetwheelz1 war es eine fantastische Gelegenheit, ihm bei der Arbeit zuzusehen und besondere Momente mit der Kamera festzuhalten. Hier ein Erlebnisbericht.

Die erste Begegnung

Das erste Auto von Jan Delpy, das streetwheelz1 zufällig entdeckte, war ein gelber Morgan. An einem sonnigen Sonntag cruiste diese Schönheit durch die Strassen von Basel. Der Motor war schon von Weitem zu hören und die leuchtend gelbe Farbe des Fahrzeugs hob sich deutlich von der Monotonie der schwarz-silbernen und weissen Autos ab, die man normalerweise auf Basels Strassen sieht. Glücklicherweise parkte das Auto in der Nähe und es ergab sich ein spontanes Gespräch mit Jan Delpy. Er erzählte von seiner Autowerkstatt und willigte sofort in eine kurze Foto- und Videosession mit dem Morgan Plus ein.

Hier ist der Morgan mit dem süßen Hund Danilo (Quelle: youtube/streetwheelz1)

Jan Delpy und seine Werkstatt

Jan Delpy ist ein Oldtimer-Experte, der diese Autos nicht nur restauriert, sondern auch vermietet. Viele Stunden hat er in seiner Werkstatt in seine Schmuckstücke investiert. Manche davon, wie einen dunkelgrünen MG von 1969, vermietet er tageweise, denn die Wartung und Erhaltung eines solchen Sammlerstücks ist nicht billig. Neben der laufenden Wartung und dem Treibstoff erfordert ein älteres Auto mehr Aufwand für Reparaturen und Restauration. Herrn Delpy ist es jedoch wichtig, seine Autos zu einem fairen Preis zu vermieten: Wochentags für 180 Franken pro Tag und am Wochenende zum Kombipreis. So oder so gibt es an solchen Autos immer etwas zu basteln. Die Stunden, die man in ein solches Auto investiert, kann und sollte man nicht zählen, denn es ist ein Hobby, eine Leidenschaft, bei der die Zeit keine Rolle spielt.

Bildergalerie: Die Schönheit einer Werkstatt (Fotos: streetwheelz1)

Die Mietwagen

Ein solch seltener und gut erhaltener Oldtimer bedarf der besonderen Sorgfalt, auch der Mieter. Wie auf der Website zu lesen ist, müssen sich Mieter „verpflichten, den MG (immerhin ist er schon 54 Jahre alt) mit der gebotenen Sorgfalt zu fahren“. Das ist sinnvoll, denn ein solches Auto muss genauso bedacht und wertschätzend gefahren werden, wie man es mit seinem eigenen Eigentum tun würde.

Der MG ist definitiv ein Schönwetterauto, das Sie sich für einen besonderen Tag gönnen. Vielleicht für einen runden Geburtstag, eine Fahrt durch malerische Dörfer auf Landstraßen oder einen Picknickausflug mit dem Partner.

Sprüche wie „Der Weg ist das Ziel“ oder „Eile mit Weile“ treffen bei solchen Gelegenheiten durchaus zu. Mit einem solchen Auto möchte man nicht erst zum nächsten Supermarkt fahren, sondern ein Abenteuer erleben, an das man sich auch später noch gerne erinnert. Dabei zählt nicht nur die Strecke, sondern auch der satte Sound des Motors, der Wind in den Haaren und all die kleinen Details, die Autoliebhaber an der Fahrt mit einem Oldtimer so schätzen.

Der MG kehrt von der Überholung zurück

Die Werkstatt in Mazedonien leistete während des monatelangen Wiederaufbaus des MG hervorragende Arbeit und hielt Jan Delpy laufend über den Fortschritt auf dem Laufenden. Die Fachwerkstatt überholte den Oldtimer umfassend, einschließlich Arbeiten am Boden und an den Schwellern, um die strukturelle Integrität und Sicherheit des Fahrzeugs zu gewährleisten. Zusätzlich polsterten die Restaurationsexperten die Sitze neu und verpassten dem Auto einen frischen Anstrich. Ende April fand der Transport von Mazedonien in die Schweiz statt. Knapp 2000 Kilometer später kam das Auto nachts an. Alles war perfekt.

Die anschließende Feinabstimmung war natürlich Aufgabe des Schweizer Werkstattbesitzers, denn ein passionierter Oldtimerschrauber macht alles selbst, was er kann.

Tausend kleine Jobs

An diesem Sonntag, als Jan Delpy den leuchtend gelben Morgan Plus fuhr, bot er streetwheelz1 freundlicherweise an, seine Werkstatt bald zu besuchen und ein paar Fotos von seiner Arbeit am MG zu machen, sobald der Wagen wieder in der Schweiz wäre. Eine wunderbare Gelegenheit, ihm bei der Arbeit zuzusehen.

Ende April war es dann soweit: Mitten in der gut organisierten Werkstatt, die eine ganz eigene Ästhetik präsentierte, stand das Auto auf der Hebebühne. Regale voller kleiner und großer Werkzeuge, Spraydosen und Ölkannen zierten den Raum. An der Wand hingen Schraubenschlüssel in verschiedenen Größen und ein aufgerollter Druckluftschlauch – die perfekte Kulisse für ein Autovideo.

Bildergalerie: So sah der MG am Tag von Video 1 aus (Fotos: streetwheelz1)

Video Tag 1: Arbeiten am MG

Es gab noch viel am Auto zu tun, das konnte sogar ein Laie erkennen; von einfachen Aufgaben wie der Montage der Räder bis hin zu Feinarbeiten wie dem Anbringen des Lüftungsgitters. Einige bewegliche Teile am MG waren nur provisorisch eingebaut oder fehlten ganz, und der Wagen war alles andere als fahrbereit. Es fehlten nicht nur die Reifen, sondern auch viele andere wichtige Komponenten wie die Seitenspiegel, die Windschutzscheibe oder sogar die Scheibenwischer. Auch die Sitze, die in Mazedonien neu gepolstert worden waren, waren noch nicht eingebaut.

Jan Delpy löst die Schrauben, an denen später die Scheibenwischer befestigt werden (Quelle: YouTube/streetwheelz1)

Die Schönheit des Unvollendeten

Obwohl wie gesagt sowohl beim Fahren des Oldtimers als auch bei dessen Restaurierung der Weg das Ziel ist, möchte man das Auto natürlich im fertigen Zustand sehen, bereit, nicht nur ein Hingucker oder Sammlerstück, sondern auch ein Fortbewegungsmittel zu sein.

Das sieht man normalerweise nicht. Im Unfertigen liegt Schönheit. (Quelle: YouTube/streetwheelz1)

Dennoch haben solche Arbeiten auch ihren Reiz. Auch das Unfertige kann schön sein. Da ist das blanke Metall im Kofferraum, wo normalerweise ein samtiger Bezug das Auge erfreut; da ist eine Baustelle im Fahrgastraum, wo normalerweise die beiden Ledersitze wären. Natürlich ist das Auto schon in einem guten Zustand, nicht wie ein Oldtimer, der in einer Scheune seinem Schicksal überlassen wird, voller Rost und Staub mit platten Reifen im Dunkeln steht, bis er von einem Lost-Place-Abenteurer entdeckt wird. Schließlich handelt es sich hier nicht um eine Rettungsmission, sondern einfach um die Restaurierung eines gut erhaltenen Sammlerstücks. Aber trotzdem hat dieser rohe Look etwas Magisches. In diesem Stadium zeigt er, dass es sich hier um ein über 50 Jahre altes Objekt handelt, das aus einer anderen Ära in unsere Zeit geholt wurde. Das (noch) Unfertige hat definitiv seinen Reiz.

Das Video von Tag 1 auf Youtubet (Quelle: YouTube/streetwheelz1)

Video Tag 2: Das MG ist fertig

Etwa zwei Wochen später war der MG so gut wie fertig. Alles war montiert und an seinem Platz. Das einzige, was noch fehlte, war das Video, das den Fortschritt dokumentiert. Und auch diese tolle Gelegenheit ließ sich streetwheelz1 nicht entgehen. Nach einigen Aufnahmen in der Werkstatt ging es nach draußen. Das Auto war nun fahrbereit und Herr Delpy startete den Motor, der sofort angenehm schnurrte. Als wäre nichts passiert, als hätte es nicht eine lange Reise hinter sich und viele Arbeitsschritte durchlaufen, um jetzt so frisch auszusehen, wurde das Auto auf den Parkplatz vor der Garage manövriert. Dieses Auto wurde gebaut, als der erste Mensch den Mond betrat, und dennoch sieht man ihm sein Alter nicht an.

Das Video, welches auch einige Vorher-Nachher-Vergleiche enthält, ist ab sofort auf dem YouTube-Kanal von streetwheelz1 online.

Haftungsausschluss:
Dies ist keine Werbekooperation, sondern ein Erlebnisbericht. streetwheelz1 ist immer auf der Suche nach spannenden Geschichten rund um besondere Autos. Du hast ein besonderes Auto (Hyper, Super, Classic, Tuning) in der Schweiz? Dann melde dich gerne, wenn du mit deinem Auto vorgestellt werden möchtest.

Weitere Informationen

Jan Delpys Werkstatt und Oldtimer-Verleih:

Werkstatt Delpy
Herr Jan Delpy
Auf dem Wolf 31A
4057 Basel
Schweiz
Website: oldtimerbetreuung.ch